SPANIEN – WESTKÜSTE

Hallo miteinander, wir schon wieder und immer noch aus Spanien.

Wir verbringen eine Woche bei schönem Wetter im Westen Spaniens. Im Folgenden zeigen wir schöne Bilder der Küste, eine mittlere Katastrophe aus dem Wohnmobilalltag und zum Schmunzeln gibt es auch wieder etwas.

Erstmal unser tollster Übernachtungsplatz der Woche, direkt am Meer, mit Blick auf Delfine (!), Berge und einen Telegrafenmast, den wir auf keinen Fall weg retuschieren wollten:

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Meer, Buchten, Strände, Sonne, Wasser, Sonnenuntergänge: Alles was das Camperherz begehrt. Die Realität übertrifft jeden TUI-Katalog:

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Nun ein wenig Kultur: Diese Gebäude stehen hier (in Galicien) überall. Man nennt sie Hórreo. In den Häusern werden Feldfrüchte wie zum Beispiel Mais gelagert:

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Nun zu einem neuen Fall für die Wohnmobil-Katastrophen-Liebhaber:

Jeder, der keine der modernen Espressoautomaten verwendet (wie wir), sondern Kaffee auf die herkömmliche Art und Weise aufbrüht, kennt es. Irgendwann passiert es einfach. Es ist unvermeidbar. Da steht also die zu befüllende Kaffeekanne auf dem Tisch. Darauf der Kaffeefilter. In diesem die Filtertüte. Diese ist ihrerseits mit Kaffeepulver ordentlich befüllt. Der elektrische Wasserkocher zischt und quietscht. Endlich kocht das Wasser. Man befüllt den Kaffeefilter mit dem sprudelnden Wasser. Der herrliche Duft der Kaffeearomen verteilt sich in der Küche. (An dieser Stelle monieren die Kaffeeexperten immer: „Besser wäre doch, wenn das Aroma in der Tasse wäre und nicht an der Küchendecke, oder?“ Sei’s drum).

Dann dreht man sich kurz weg, um eine zuvor angefangene Arbeit an der anderen Seite der Küchenarbeitsplatte fortzusetzen. Kurz danach – der Kaffeefilter müsste jetzt wieder leer sein – wendet man sich sowohl geistig, als auch körperlich wieder der gesamten Kaffee-Aufbrüh-Armatur zu. Dieser Ablauf ist jahrelang eingeübt und geschieht, durch das Unterbewusstsein gesteuert, in einer einzigen, elastischen, automatisierten und fließenden Drehbewegung.

Heute allerdings steuert das Unterbewusstsein meinen Ellbogen ein wenig zu tief liegend durch die Küche und – rumms – mit Karacho gegen den auf der Kanne sitzenden Filter.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit fliegt dieser durch die Küche und hinterlässt auf seinem Weg eine Spur der Verwüstung. Noch in der Beobachtung der Szenerie weiß ich es wieder: Ja, ich glaube fest an Reinkarnation. In seinem vorherigen Leben war dieser Kaffeefilter Mitglied einer Kunstflugstaffel.

Mit der faszinierenden Beschleunigung einer ballistischen Mittelstreckenrakete hebt der Kaffeefilter von der Kanne ab. Er entwickelt zunächst ausreichend Schub, um im unkontrollierten Luftraum über der Küchenanrichte seine optimale Reiseflughöhe zu erreichen (Leider erlöschen die Anschnallzeichen in diesem Fall nicht). Während des gesamten Flugs verteilt der Raketenfilter in einem feinen Sprühnebel den mit sich geführten Kaffeesatz. Die feuchte, schwarze Brühe setzt sich auf allen umliegenden Flächen im 360 Grad Umfeld des fliegenden Ungetüms fest.

Schließlich zieht er mehrere, weite Kreise über dem Gaskochfeld. Ich vermute, er hat die vielen, feinen Piezzodüsen der einzelnen Gasbrenner entdeckt: „Aha, hier könnte man hervorragend tagelanges Zerlegen und Schrubben auslösen“, denkt er sich.

Zum Abschluss der Gaskochfeldverwüstung präsentiert er mehrere Pirouetten, ehe er in einen kalten Abwärtswind unterhalb der Dachluke gerät und somit in eine trudelartige, scheinbar unkontrollierte Fluglage gerät. Auf seinem Weg Richtung der geöffneten Besteckschublade öffnet er noch einmal seine Kaffeesatzsprühvorrichtung und besprüht zielsicher den Vorhang sowie die Löcher der Mehrfachsteckdose. Nein, das Drama findet noch lange kein Ende, denn seine Tanks sind bis zum Bersten gefüllt.

Gerade, als er auf den geöffneten Kleiderschrank zu rast, überfliegt der Kamikazefilter den Siphon des Geschirrspülbeckens, nutzt umgehend die warmen, aus diesem aufsteigenden Aufwinde, und setzt seine Reise mit Ziel „Zimmerdecke“ fort. Schließlich dreht er nach Westen ab und überfliegt die Weiten des arktischen Schlafzimmers.

Er selbst ward nicht mehr gesehen, doch untrügliche Zeichen weisen auf den kleinen Rundflug hin: Eine schwarze Masse klebrigen und feuchten Kaffeepulvers in allen Ritzen, auf allen Flächen, ja sogar in den Innenräumen der geschlossenen Schubladen.

Das sind die zwei Seiten des Kaffeefilters. Erst steht er da oben auf der Kaffeekanne, lächelnd, mit einem Auge zwinkernd. Liebevoll und umsorgend nimmt er das heiße Nass auf und entlässt es durch seine Arme sickernd und wohl duftend in den Schlund der Kanne. Nur zu unserem Besten.

Und dann ist da das Böse, aus dem Nichts heraus verursacht er Elend und Verwüstung, zeigt sein wahres Gesicht, eine Fratze der Gehässigkeit. Das Yin und Yang des Kaffeefilters. Die Poesie der Kaffeefilterreinkarnation.

Kaffeefilter, wir haben Dich trotzdem lieb.

Dieser Vorfall geschieht statistisch zweimal pro Jahr. Unsere Reise war auf ein Jahr geplant und so war uns vor Beginn der Reise schon klar: Irgendwann wird es passieren. Und zwar zweimal. Wir werden nicht drum herum kommen. Die Tage war es dann soweit. Das Ergebnis musste fotografisch festgehalten werden. Nein, wir kaufen jetzt keine Espressomaschine. Wir fordern auch in Zukunft die Statistik heraus. Viele Grüße aus Spanien. Euch allen ein schönes Wochenende und eine gute, neue Woche, ohne Kaffeesatzkatastrophen:

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